Unsere Region im nördlichen Weserbergland hat eine fast 400 jährige Tradition der Glasherstel-
lung. Ihre kulturgeschichtliche Entwicklung und Bedeutung den Bürgern und Gästen unserer Region bewusst zu machen, ihnen die Vielfalt der kreativen Gestaltungmöglichkeiten mit Glas zu vermitteln und Begegnungen mit historischer und moderner Glaskunst zu ermöglichen, das ist das Ziel des im Jahr 2006 gegründeten Trägervereins für diese Aktivitäten. Wir laden Sie ein, sich hier über unsere Arbeit und aktuellen Projekte zu informieren.
„Eine coole Sache“ – heißes Glas fasziniert Schüler
Handwerker und Künstler stellen Arbeit und Erfahrungen mit dem eigenwilligen Werkstoff in der Innenstadt vor
Bad Münder (hzs). Aus dem kleinen leer stehenden Laden an der Obertorstraße dringt ein furchterregendes Zischen. In einem Schmelzofen brodelt ein rötlich-weiß glühendes Höllenfeuer. Der Hüter des Feuers sieht es gelassen: „So etwa 1200 Grad“, erklärt Glasbläser Hans Harder vom Glasstudio Feuerhauch aus Petershagen-Lahde den aufgeregten Schülern der Klasse 2b der Grundschule Eimbeckhausen – eine von neun Klassen, die sich im Rahmen des Glasfestivals die Entstehung einer Glaskugel statt im Fernsehen einmal in Wirklichkeit anschauen wollen. Mit großer Geduld lässt Harder jeden Schüler ein kleines Glas blasen. „Die Glasmasse besteht aus Altglasscherben optischer Gläser, die hier quasi recycled werden“, erläutert der 49-Jährige. Jeder Schüler darf sich eine Farbe aussuchen, in die der heiße Klumpen dann kurz getaucht wird, bevor er mit viel Kraft und Gefühl angeblasen wird. „Die Farben bestehen aus Basisglas mit Metalloxyd, absolut ungefährlich“, beruhigt Harder. Während die achtjährige Lena aus Nienstedt ihre Scheu überwindet und ihre Glaskugel Gestalt annimmt, erklärt der siebenjährige Jona, worauf es ankommt: „Da musst Du pusten und auch noch drehn.“ Für Jona ist klar, so ein Höllenfeuer aus dem Glas gemacht wird, ist eine „coole“ Sache. Rund ein Kilo Flüssigglas schluckt der Schmelzofen pro Stunde. „Glasblasen ist eine Sache der Konzentration“, so Harder, „da dürfen Sie an nichts anderes denken.“ Ein paar Läden und nur wenige Schritte weiter weiht Glasexperte Hermann Meier eine zehnte Klasse der Hauptschule in das Geheimnis der Glasperlen-Herstellung ein. Der ehemalige Lehrer an der Berufsschule Rinteln hat ebenfalls einen Schmelzofen, allerdings in einer Art Taschenausgabe, aufgebaut, in dem ein Bunsenbrenner fertige Glasstäbe, so genanntes „Halbzeug“, bei 700 Grad zum Schmelzen bringt. „Es kommt darauf an für die teigige Konsistenz des geschmolzenen Glases ein Gefühl zu bekommen und das um einen kleinen Stab zu wickeln“, erklärt Meier. „Die Damen bitte auf die Haare aufpassen“ warnt er. Nein, die Finger verbrenne man sich nicht, Glas sei ein sehr schlechter Wärmeleiter. „So was bekommen die Schüler sonst nicht zu sehen“, sagt die begleitende Lehrerin Ulrike Dey. Wenig später bestaunen die Schüler beim Juwelier in der Marktstraße fertige Glasketten, in deren Herstellung sie Astrid Klettke aus Bad Oeynhausen einweist. Sie stellt hochwertige Colliers in der aus den USA stammenden Fusing-Technik her. Vor allem die jungen Damen können sich an den farbigen Kostbarkeiten kaum satt sehen. Ob ihr Süleyman (17) vielleicht einmal so eine schöne Kette schenken wird? So mag sich die 16-jährige Rosa fragen. Das allerdings war wohl die einzige Frage, die an diesem Morgen unbeantwortet blieb.
Landrat Rüdiger Butte setzt den ersten Stein für das Gemeinschaftskunst-
werk Glasmosaik. Foto:jhr
Zu diesem Presseartikel ein Radiobeitrag vom 29.04.2010
freier Journalist. U.a. auch für unseren regionalen Hörfunksender Radio aktiv e.V. (www.radio-aktiv.de) in Hameln tätig.
Steinchen für Steinchen wächst das Gemeinschaftsprojekt
Bad Münder (jhr). Landrat Rüdiger Butte, der stellvertretende Bürgermeister Detlef Olejniczak, Ortsbürgermeisterin Petra Joumaah – sie alle ließen es sich gestern Morgen nicht nehmen, die ersten Glassteinchen für das zum Glasfestival gestartete Gemeinschaftsprojekt Glasmosaik zu setzen. Im Schaufenster des Kaufhauses Döring war die große, von Glaskünstler Werner Kothe und Glasermeister Michael Hirsch vorbereitete Scheibe aufgestellt worden, auf der die farbigen Steinchen aufgesetzt werden. „Das ist ein echtes ,Ab in die Mitte‘-Projekt“, freute sich Koordinator Thomas Heiming. Landrat Butte betonte wie die anderen Teilnehmer am Startschuss das große ehrenamtliche Engagement der am Glasfestival Beteiligten und stellten insbesondere die Rolle von Organisator Hermann Wessling heraus: „Sie warten nicht, dass andere die Probleme lösen, Sie nehmen die Sache selbst in die Hand und setzen sich ein. Das gefällt mir“, lobte er.
Mit viel Gefühl fürs heiße Glas: Hermann Meier weiht Schüler der zehnten Klasse der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule in die Geheimnisse der Glasperlen-Herstellung ein. Foto: hzs
Kräftig pusten: Lena aus Nienstedt hilft Hans Harder beim Erstellen einer Glaskugel. Foto: hzs
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