Unsere Region im nördlichen Weserbergland hat eine fast 400 jährige Tradition der Glasherstel-
lung. Ihre kulturgeschichtliche Entwicklung und Bedeutung den Bürgern und Gästen unserer Region bewusst zu machen, ihnen die Vielfalt der kreativen Gestaltungmöglichkeiten mit Glas zu vermitteln und Begegnungen mit historischer und moderner Glaskunst zu ermöglichen, das ist das Ziel des im Jahr 2006 gegründeten Trägervereins für diese Aktivitäten. Wir laden Sie ein, sich hier über unsere Arbeit und aktuellen Projekte zu informieren.
Ein Schnack über alte Zeiten bringt neue Informationen
Forum Glas lädt Berlinerin zur Einweihung der Glasstele an der Langen Straße ein / Kontakt entsteht zufällig
Bad Münder (jhr). Eine Plauderei einer heute 64-Jährigen mit ihrer ehemaligen Lehrerin in Berlin über längst vergangene Zeiten, ein paar Klicks im Internet – und schon hatte das Forum Glas in Bad Münder ganz unverhofft Zugang zu bislang unbekannte Informationen zur ehemaligen Glashütte an der Langen Straße und zu ihren Besitzern. Sie kommen zur rechten Zeit, denn am 11. September soll dort im Rahmen des Glasfestivals II eine Stele zur Erinnerung an den 1841 erstmals erwähnten Hüttenstandort aufgestellt werden. Für Hermann Wessling, Vorsitzender des Forum Glas, ist das Zustandekommen des Kontaktes mit Christine Liebing (64 Jahre) aus Elstertrebnitz und Gunthilt Greiner (89 Jahre) aus Berlin kurios wie amüsant. Aus den Gesprächen mit den beiden Frauen weiß er, dass Christine Liebing zu ihrer ehemaligen Lehrerin aus Anlass eines Klassentreffens nach 46 Jahren zum ersten Mal wieder Kontakt hatte. Während des Gespräches erwähnt Gunthilt Greiner, dass sie in ihrer frühen Kindheit einige Jahre in Münder verbracht hat. Die Jüngere fragt zurück: „Meinen Sie vielleicht Bad Münder? Das kenne ich, denn seit 1990 lebt dort meine Tochter Peggy Liebing, jetzt im Ortsteil Hamelspringe.“ Gunthilt Greiner fragte nach: Wie viele Einwohner Bad Münder habe, ob von der früheren Glashütte noch etwas vorhanden sei. Bei der Recherche im Internet stieß die ehemalige Schülerin auf die Homepage des Forum Glas und die Kontaktadressen des Vorsitzenden sowie des Historikers Klaus Vohn-Fortagne, berichtet von ihrem Gespräch mit der Lehrerin und stellt den Kontakt her. Wessling und Vohn-Fortagne erfahren, dass ihr Vater, der aus der Glasmacherstadt Lauscha in Thüringen stammte, ihren Vornamen und die Schreibweise streng nach germanischem Vorbild bestimmt hatte. Umgangssprachlich wurde das 1921 in Halle geborene Mädchen „Gundel“ genannt. Als sie drei Jahre alt war, zog die Familie nach Münder, wo ihr Vater die Glashütte an der Langen Straße übernahm. „Offiziell hieß die Glashütte von 1924 bis 1926 ,Hannoversche Glas- und Kristallfabrik Greiner & Hößl‘, inoffiziell wurde sie ,Gundelhütte‘ genannt“, weiß Wessling. Bereits 1926 ging das Unternehmen in Konkurs und die Familie zog 1927 nach Oberhausen, wo Gunthilt Greiners Vater als Prokurist wieder in einer Glashütte tätig wurde. Dort wurde sie eingeschult. Was die beiden Münderaner besonders freut: „Erstaunlich, dass sie nach so extrem langer Zeit über die wenigen Jahre in Münder noch einige konkrete Erinnerungen hat. So erinnert sie sich, dass der Betrieb ganz am Rande der Stadt lag und dass sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf ein großes Wiesenfeld schaute, wo sich heute das Hotel Wiesengrund und dichte Wohnbebauung befinden“, berichtet Wessling. Gunthilt Greiner berichtete, dass sie als Kind sehr gern in dem feinen Quarzsand, dem Rohstoff für die Glasherstellung, gespielt habe, was sie eigentlich nicht durfte. „Auch Spaziergänge zum Waldschlösschen sind ihr im Gedächtnis geblieben“, sagt Wessling. Gemeinsam mit Vohn-Fortagne hat der Forums-Vorsitzende die Seniorin als Gast zur Einweihung der Glasstele an der Langen Straße am Sonnabend, 11. September, nach Bad Münder eingeladen. „Sie hat die Einladung angenommen und würde am liebsten zusammen mit Frau Liebing nach Bad Münder kommen“, schildert Wessling die Reaktion.
1924 stand die „Gundelhütte“ auf einer freien Fläche: Das Bild zeigt Gunthilt Greiners Mutter auf dem Grundstück der Hütte.
Fotos: pr
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