Unsere Region im nördlichen Weserbergland hat eine fast 400 jährige Tradition der Glasherstel-
lung. Ihre kulturgeschichtliche Entwicklung und Bedeutung den Bürgern und Gästen unserer Region bewusst zu machen, ihnen die Vielfalt der kreativen Gestaltungmöglichkeiten mit Glas zu vermitteln und Begegnungen mit historischer und moderner Glaskunst zu ermöglichen, das ist das Ziel des im Jahr 2006 gegründeten Trägervereins für diese Aktivitäten. Wir laden Sie ein, sich hier über unsere Arbeit und aktuellen Projekte zu informieren.
Bad Münder (hzs). Reichlich Geschichte lag in der Luft bei der Einweihung der zwei Glas-Stelen, die künftig am Standort der ehemaligen Glashütte in der Langen Straße 89 und vor der Ardagh-Glashütte von einem Kapitel münderscher Technik- und Sozialgeschichte künden. „Das Weserbergland hat eine ausgeprägte Glasgeschichte, doch deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ist leider nur sehr gering“, klagte der Historiker Klaus Vohn-Fortagne. Die Glas-Stelen mit Informationen sollen diesem Missstand abhelfen. Umrahmt von einigen Trompetensoli der Schülerin Lena Stawski öffneten zwei feenhafte Stelzenläufer des Kinder- und Jugendzirkus BiKonelli die großen roten Schleifen, die das die Stelen verhüllende gelbe Tuch zusammenhielten. Die Aufstellung der Stelen verdankt die Stadt der Initiative des Forums Glas. Finanziert wurden beide Stelen durch ein EU-Programm zur Förderung des ländlichen Raums sowie die Co-Finanzierung von Landkreis und Stadt. „Die restlichen Mittel hat dann eine Spende der Stiftung der Sparkasse Weserbergland eingebracht“, so der Vorsitzende des Forums, Hermann Wessling. Unter den zahlreichen Zuschauern der auch aus dem „Ab-durch-die-Mitte“-Programm geförderten Aktion konnte Wessling auch Gunthilt Greiner begrüßen, deren Vater von 1923 bis 1926 die Glashütte an der Langen Straße geleitet hatte. Die Berlinerin sah die Stätte ihrer Kindheit nun nach 85 Jahren zum ersten Mal wieder. „Wir waren glückliche Kinder“, erinnerte sich die 89-Jährige. Ihr Vater habe die Hütte nach ihr „Gundelhütte“ genannt. Auch an der Süntelstraße wurden Erinnerungen wach, denn auch Hans-Ulrich Siegmunds Geschichte ist mit der Glashütte verknüpft. Sein Vater, ein Cousin des Hüttengründers Rudolf Bornkessel, war von 1932 bis Mitte der sechziger Jahre Mitbesitzer der Hütte. „Alles fing damit an, dass mein Vater sich einmal in Abwesenheit Bornkessels Geld schicken lassen musste, um die Löhne auszuzahlen“, so Siegmund. Daraus habe sich später ein 20-prozentiger Firmenanteil entwickelt. Weitere Stelen sollen in Klein Süntel und in Osterwald aufgestellt werden.
Gunthilt Greiner (r.) schildert den Teilnehmern der Stelen-Enthüllung ihre Erinnerungen an die Glashütte an der Langen Straße. (Foto:hzs)
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